Tierschutz

Der Tierschutz stellt eine besondere Herausforderung dar, vor allem dann, wenn es sich um den Tierschutzgedanken in Südeuropa handelt. Hier ein Diskussionsansatz um aktiven Tierschutz  am Beispiel Südspanien.

Besonders Hunde gelten in Südspanien als Individuen, die keinerlei Wert und Nutzen darstellen (vielleicht abgesehen von Jagdhunden, die in der Jagdsaison 2 Monate lang pro Jahr ihren Jagdtrieb ausleben dürfen, oder eben Kettenhunde, die als Wachhunde angesehen werden), darüberhinaus ist das Urteil weit verbreitet, dass Tiere keinen Schmerz empfinden.

Bewegt man sich von Südspanien etwa 1000 Kilometer die Küste entlang nach Nord-Osten, so kommt man in Frankreich nach Montpellier, in die vermutlich hundefreundlichste Stadt Europas. Das allabendliche Schauspiel prominierender Hundebesitzer durch die teure und feine Innenstadt ist schon beeindruckend. Hunde sind erwünscht, und wenn hier und da mal ein Hundehäufchen liegenbleibt, so ist dies kein Problem - die Stadt finanziert eine ‘Hundekotstaffel’, mit eigens dafür entwickelten mobilen Nassreinigungsmaschinen. Ein Restaurant, welches keine Hundepräsenz akzeptiert, wäre in Montpellier nicht existenzfähig. In der Tat wurde meine Hündin grundsätzlich vor mir bedient.

Zwei völlig verschiedene Hundewelten also.
Das Vereinsziel im Hinblick auf den Tierschutz ist es wild lebenden Tieren in Südspanien wieder eine Grundlage zur Lebensberechtigung zu schaffen. Der Staat sieht beispielsweise streunende, herrenlose Hunde als seinen Privatbesitz an. Dies wird besonders dann deutlich, wenn Tierschutzorganisationen wilde Hunde kastrieren wollen: Dies ist nach geltendem Gesetz eine Straftat, denn über diese Hunde hat der Staat das alleinige Recht (diese aus hygienischen Gründen zu töten).

Wie kann den streunenden Hunden in Südspanien wieder eine Funktion, und damit Lebensberechtigung zugeschrieben werden ? - Eine wichtige (in Vergessenheit geratene Funktion hatten Streuner vor 1940, als in Südspanien und Italien noch Malaria und die ‘Kala-azar infantil’ (heute als Leishmaniose bekannt) grassierten, und für den Tod von Kindern verantwortlich waren. Die ‘alten’ Bauern können auch heute noch etwas mit diesen beiden Krankheiten anfangen, und erinnern sich dass früher der Hund und das Vieh im Erdgeschoss gehalten wurden, und ein ‘Schutzschild’ für die Kinder darstellten, sodass die Mücken, die diese Krankheiten übertragen, erst garnicht in die Schlafräume fliegen.

Heute ist Malaria kein Thema mehr, Leishmaniose schon. Neben 100ten von Leishmaniose und HIV infizierten Menschen in Südspanien, erkranken nun auch wieder zunehmend Kinder an Leishmaniose. Malaria ist ausgerottet, jedoch ist Ehrlichiose hinzugekommen, eine ernste Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird, ebenso Babesiose und Hepatozoonose. Und von Norden her kommt Borreliose auf Südspanien zu, ebenfalls eine durch Zecken übertragene Krankheit.

Und besonders Städte wie Marbella führen alljährlich ‘Säuberungsaktionen’ ihrer Städte und Strände durch, und töten die streunenden Hunde.

Dass solche Massnahmen völlig sinnlos sind, haben schon mehrere Studien in Italien und Griechenland gezeigt. Ein streunender Hund besetzt in der Natur einen begrenzten Lebensraum, eine Nische, weil er sich dort ernähren kann - besonders eben dort, wo er von Touristen gefüttert wird - besonders in Marbella, denn da ist der fütternde Tourist das ganze Jahr über. Wird dieser Hund aus diesem Lebensraum weggefangen, so wird dieser Lebensraum in Kürze wieder von ‘einem’ neuen Hund, ‘zwei’ neuen Katzen oder ‘zehn’ neuen Ratten besetzt - eben abhängig von den Nahrungsresource Der Tourist benötigt also die Aufklärung, keine Hunde zu füttern.

Das Wegfangen und Töten eines Hundes aus einer Nische, die ihn ernährt, stellt eine gefährliche und unsinnige Massnahme dar.

Unsinnig - der ‘frei gewordene Lebensraum’ wird in Kürze wieder besetzt.
Gefährlich - wenn der Hund nicht mehr da ist, an wem sollen die Tausenden Zecken Blut saugen, die dort an den Wegesrändern lauern (Ehrlichiose, Hepatozoonose, Babesiose und Borreliose !). Und an wem sollen die Mücken Blut saugen, die so zahlreich um Marbella herumfliegen (Leishmaniose und Dirofilarien !). Der Tourismus hat ja genau in dieser Region dazubeigetragen, dass auch Schafe, Ziegen, sonstiges Vieh und Schweine als Schutzschild für den Menschen vor Erkrankungen verlorengingen.

Näheres zu Sandmücken in Marbella:
Im direkten Stadtrandbereich von Marbella wurden am 25.06.2000 aus einem Schuppen (N 36° 31’ 8,1”, W 04° 52’ 22,3”, 52 m. ü. NN) die Sandmückenarten Phlebotomus papatasi und P. perniciosus herausgefangen, wenig weiter aus einem Wasserpumpenhäuschen (N 36° 31’ 9,4”, W 04° 52’ 13,1”, 64 m. ü. NN) wurden die Sandmücken P. sergenti und P. perniciosus gefangen. In dem Zoologiebuch ‘Andalusiens Thiere’ von 1856 heisst es über die Sandmückeart
Phlebotomus papatasi Scop.: Granada, im Juli in Häusern gemein. Sitzt des Tags über an Wänden und ist in der Nacht für die Einwohner eine wahre Plage. Die Andalusier nennen sie Mosquitos und schützen sich durch Gaze-Überzüge über die Schlafstätten.

Heute wissen wir auch etwas mehr über die anderen Sandmückenarten, nachzulesen in dem Buch ‘Las leishmaniasis: De la biología al control’, herausgegeben von der Junta de Castilla y León, 1997 ... 2. Auflage 2001, herausgegeben von den Laboratorios Intervet S.A., Poligono El Montalvo, S/N, Apartado 3006, 37080 Salamanca.

So sind die Sandmücken von Marbella:

Phlebotomus papatasi: antropófilo (den Menschen ‘liebend’), endófilo (in Häuser fliegend) und endofágico (in Häusern Blut saugend).

Phlebotomus perniciosus: zoo-antropófilo (Säugetiere und den Menschen ‘liebend’), endófilo (in Häuser fliegend) und exofágico/endofágico (in Häusern und im Freien Blut saugend).

Phlebotomus sergenti: zoo-antropófilo (Säugetiere und den Menschen ‘liebend’), endófilo (in Häuser fliegend) und exofágico/endofágico (in Häusern und im Freien Blut saugend).

Die Vorliebe für diese Sandmückenarten in Marbella ihrem zoophilen Blutsaugverhalten zu folgen fällt offensichtlich in Kürze -durch die Tötung streunender Hunde- ganz weg, was bleibt ist der Mensch. Alle drei Sandmückenarten sind nachgewiesene Überträger von Leishmaniose. P. papatasi und P. perniciosus sind darüberhinaus nachgewiesene Überträger von Virusinfektionen, z.B. dem Papatacifieber auf den Menschen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass in den Touristenhochburgen Ibiza und Alicante Dirofilarien (Dirofilaria repens)aus dem Menschen herausoperiert wurden - eigentlich eine reine Hundeerkrankung, aber wenn der Hund nicht mehr da ist, ist der Mensch halt das Opfer ?!

Nun die Geschichte hat bereits Einiges vorzuweisen, so 1971-73 in der Region Emilia-Romagna, in Norditalien. Auch dort verschwanden relativ schnell hintereinander alle Säugetierklassen (die EU Richtlinien zum Abbau von Kleintierherden - Ziegen und Schafe -  waren vermutlich seinerzeit daran Schuld). Eine Leishmaniose-Epidemie beim Menschen mit 80 infizierten und ca. 20 Toten war die Folge, die Überträger-Mücke hatte keine andere Chance, sie musste notgedrungen den Menschen attakieren, obwohl ihr Schaf oder Ziege viel lieber gewesen wären.

Von jedem Feldherrn der Antike, angefangen von Alexander dem Grossen - nunja, bis hin zur deutschen Kriegsführung im 2.Weltkrieg, wurden die marschierenden Truppen mit Vieh, Schweinen und Hunden in unbekannte Regionen geschickt. Die Tiere wurden Nachts um die Truppen postiert, hauptsächlich als Schutzschild vor Malariamücken.

Auch die Chinesen haben den Hund (in einigen Regionen) wieder als Schutz und ‘Insektentöter’ erkannt. So wurde bekannt, dass wenn man einen Hund in einer Deltamethrinlösung badet, dieser dann 70 Tage lang Sandmücken (die Überträger der Leishmaniose) und Zecken tötet.

Eine alternative Konzeption zum Fang und Töten von wilden Hunden lautet also:

Fang - Kastration - Anlegen des Deltamethrin-Halsbandes ‘Scalibor’ - Anlegen einer Markierung (fluoreszierendes Halsband) - Aussetzen an gleicher Stelle
 

 


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