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Paula geschrieben am 11.01.2004 von Detlef und Sabine H. aus Gießen
Wir hatten zwei Hunde: Einen epileptischen Rottweiler
Rüden (Name Butz) 5 Jahre alt, mit Medikamenten anfallslos eingestellt, und seit Juni 2002 eine taube Schäfermix Hündin (Name Paula) aus dem Tierheim in G., ca. 4 Jahre alt, von der wir seit 12. November 2003
wussten, dass sie Leishmaniose hatte.
Der nachfolgende Bericht orientiert sich an den Nachrichten, die wir in der Leishmaniose-Gruppe
geschrieben haben. Er zeigt den schnellen und unbarmherzigen Verlauf der Krankheit seit dem Auftritt der ersten Symptome Anfang Oktober und er zeigt auch unsere Unwissenheit und Hilflosigkeit.
Verlauf der Krankheit Während unserer Reise im Oktober 2003 nach Polen bekam Paula heftigsten Durchfall, verweigerte die normale Nahrung komplett, magerte ab und wurde apathisch. Nach der
Heimkehr wurden vom Tierarzt angeschwollene Lymphknoten festgestellt. Es folgten zwei Wochen Behandlung mit Antibiotikaspritzen alle 2-3 Tage. Daraufhin wurde die
Nahrungsaufnahme wieder aufgenommen, allerdings nur Huhn mit Reis und Nassfutter aus der Dose; kein Trockenfutter.
Es entwickelte sich eine Hautveränderung (große Talgausscheidungen der Haarwurzeln) am Kopf. Diese wurden am 3. 11. 2003 auf eine Pilzerkrankung untersucht. Alle Liegestellen
wurden wund. Blutuntersuchungen zeigten alarmierende Werte, verhalfen aber nicht zu einer Diagnose. Es folgten weitere Behandlung mit Antibiotikaspritzen.
Immerhin erkannte der Tierarzt nach 4 Wochen, dass er mit seinem Latein am Ende ist. Überweisung an die Uniklinik.
Donnerstag, 13.11.03 Gestern wurde in der Vet. Uniklinik in Gießen Leishmaniose diagnostiziert. Leishmanien wurden im Blut, Wundsekret und einer Hautabschabung festgestellt.
Paula erhält nach Verordnung nun 2 x täglich Allupurinol 250 mg und Tetracyclin.
Sie leidet sehr. Ob Juckreiz oder Gicht ist mir nicht klar, sie leckt heftig die Liegestellen, Gelenke, Fußzehen und Anus. Wir wissen uns nur noch zu helfen, indem wir sie mit Barbiturat ruhig stellen.
Sonntag, 16.11.03 Was uns z.Zt. große Sorgen bereitet sind die offenen Geschwüre an allen 4 Beinen und die zahlreichen, auch stark juckenden Knötchen auf der Schädeldecke und rund um die Ohren, und
auch dass sie sehr stark röchelt. Vermutlich ist auch die Nasenschleimhaut angegriffen.
Wie kann man den Juckreiz lindern, damit eine Chance besteht, dass die offenen Geschwüre auch einmal abheilen können. Wir können sie unmöglich ständig davon abhalten, zumal sie ja
aufgrund ihrer Taubheit ja nur auf Sichtkontakt oder Körperkontakt reagiert???
Am Freitag erhielten wir zudem von der Uni Gießen per Fax die Mitteilung, dass evt. auch noch eine Ehrlichiose Infektion-besteht, Titer 1:40. Weiteres wird am Mo 24.11. bei der
nächsten Kontrolluntersuchung geklärt.
Wir sind zur Zeit ziemlich verzweifelt, da wir nicht wissen, ob mit
einer Besserung auf Dauer zu rechnen ist, und ob unser lieb gewonnenes Tierchen jemals wieder die Lebensfreude entwickeln wird, die sie vor Ausbruch der Krankheit hatte. Ich weiß, wir sind
im Moment ungeduldig, was sicherlich auf unsere Unerfahrenheit zurückzuführen ist. Aber man leidet halt unwillkürlich mit.
Eine weitere Frage, die sich mir stellt ist: Können wir künftig bedenkenlos mit unseren anderen vierbeinigen Freunden in Kontakt kommen, ohne diese zu gefährden? Ich war mit Paula
regelmäßig in einer spaßigen Hundeschule, wo wir sehr gerne Unterordnung und Gerätetraining (eine abgeänderter Form von Agility) als Hundesport ausgeübt haben.
Viele Fragen, viel Unsicherheit, viel Traurigkeit und teilweise auch genervt sein, weil man dem Tierchen nicht helfen kann.
Freitag, 21.11.03 Wir haben mit einer Rechnung, die wir heute erhielten nun auch noch einige Ergebnisse erhalten:
Leishmanien Index 0,95 positiv
Ehrlichia canis 1:40 fraglich
Babesien ./.
Antigennachweis für Dirofilaria immitis./.
AG-N. Dirofilaria immitis: keine Antigene nachweisbar
ELISA-Leishmanien-Index: AK im Serum nachgewiesen
IFT-Ehrlichiose Grenztiter (oder so ähnlich, kann die Handschrift nicht genau entziffern); Wiederholungsuntersuchung in 2-3 Wochen
IFT-Babesiose:keine AK nachgewiesen
Montag, 24.11.03 Heute waren wir wieder in der Uni Gießen, haben dort mit dem LM-Spezialisten gesprochen. Es wurden wieder Blutentnahmen vorgenommen. Zusätzlich wurden die Gelenke punktiert. Paula
hat Wasser in den Gelenken. Morgen erhalten wir die Ergebnisse. Paula bekommt nun 10 Tage lang täglich Glucantime. Die Haut behandeln wir jetzt mit Vaseline / Melkfett. Die Nase wird
mit Otriven für Kleinkinder behandelt. Und wenn wir morgen die neuesten Werte wissen, müssen wir dann sehen, was wir noch Leberstärkendes tun müssen. Die gute Nachricht ist, sie hat wieder 2 kg zugenommen.
Heute hat sie ordentlich gefressen, 2 große Näpfe mit Huhn und Reis und zusätzlich 250g Hüttenkäse. Wir hatten übrigens noch ne verrückte Idee, haben Multisanostol gekauft. Das
habe ich in meiner Kindheit bekommen, wenn ich schwächlich und krank war. Es war lecker und hat zumindest nichts geschadet, denke mir, kann bei Paula auch nicht schlecht sein.
Dienstag, 25.11.03 Wir haben erfahren, dass die Nierenwerte nicht gut sind. Ab sofort bekommt Paula täglich noch Infusionen in der Uni.
Mittwoch, 26.11.03 Wir haben den Eindruck, dass eine klitzekleine Besserung eingetreten ist. Wir wissen aber auch, dass nach 5 Tagen die Nebenwirkungen von Glucantime eintreten sollen. Aber wir sind
optimistisch.
Das letzte Wochenende war niederschmetternd. Am Samstag abend stellten wir nun Inkontinenz fest. Fast alle gewohnten Liegeplätze unserer Hunde incl. einer Couch waren nass.
Am Sonntag haben wir fast nichts, weder Futter noch die Tabletten (nur mit großen Krämpfen) in den Hund hinein bekommen. Sie puhlt die Pillen aus der leckersten Hundewurst raus. Danach noch 4-maliges Erbrechen.
Die Reaktion auf meinen Leserbrief an eine Gießener Tageszeitung
über das unverantwortliche Handeln des Tierheims waren sehr interessant. Wir haben so Leidensgenossen aus unserer Umgebung kennen gelernt, mit denen man sich sehr gut austauschen kann und
auch reichlich Tipps bekommt. Interessant war vor allem der Anruf einer Frau, die vor 5 1/2 Jahren auch einen nicht getesteten, Leinshmaniose-infizierten Hund vom selben Tierheim, auch aus
Andalusien, übernommen hatte. Dieser hatte die ersten heftigten Schübe(er war zuletzt nackt) nach ca. 3 - 4 Monaten überstanden und ist wieder quietschfidel. Auch aus Anrufen von anderen
Leishmaniose-Leidensgenossenhaben wir viel erfahren.
Samstag, 29.11.03 6. Tag der Glucantime Behandlung. die Nierenwerte sind trotz der Infusionen seit 25.11.03 katastrophal. Seit gestern, 28.11.03, 2x täglich Infusionen in der Klinik. Seit gestern auch
Erbrechen, Paula frisst nichts mehr, und das was wir rein bekommen, kommt kehrt wendend wieder raus. Wegen der schlechten Nierenwerte bekommt sie ja seit 27.11.03 Doxycyclin, seit
heute auch als Spritze. Heute Abend wurde in der Klinik Heilnahrung von Hill’s verabreicht, kam kehrt wendend 4 x zurück. Unsere Püppi macht uns wirklich Sorgen.
Die Uni möchte sie stationär behalten, doch wir lehnen dies ab. Sie soll im Kreis Ihrer Familie bleiben und nicht in einer anonymen Box, wo sich kaum einer um sie kümmert. Zu Hause
können wir sie alle 3 Std. raus lassen und unserer sonst so reinlichen Paula die Liegeplätze trocken halten.
Wir müssen uns zwingen stark zu bleiben !
Montag, 02.12.03 Paula ist tot. Gestern teilte uns die Uni Gießen mit, dass die Behandlung eingestellt werden
muss. Die Glucantime Behandlung und die 2x täglichen Infusionen haben nicht geholfen. Die Leishmanien haben über die Niere und Leber gesiegt. Sie wurde gestern Abend gegen 21.00 Uhr bei uns zu Hause eingeschläfert.
Nachzutragen bleiben: Paula wurde in Unkenntnis der Leishmaniose am 25.6.03 mit der üblichen 7-fach Impfung behandelt. Wir vermuten dahinter den Auslöser für den Ausbruch der Krankheit.
Am Wochenende vom 29.11.03 bis 1.12.03 wurde die Glucantimebehandlung und 2 mal tägliche Infusion fortgesetzt. Sie hat an diesem Wochenende unendlich oft Wasser getrunken und genau so oft umgehend wieder erbrochen.
Im Nachhinein müssen wir sagen, Paula hatte nie wirklich eine Chance.
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