Luna’s Leben mit Leishmaniose
geschrieben am 24.03.2004 von Birgit L. aus Düsseldorf

Monatelang machte ich mir Gedanken, welcher Hund wohl zu uns passen würde. Schließlich gelangte ich über viele Umwege und Telefonate zu einer Internetseite, auf der ich Luna sah: Die war es und sonst keine! Sie lebte seit drei Wochen in einer Pflegestelle, die ich umgehend anrief, um ein Treffen zu vereinbaren.

Es gefiel mir sehr gut, dass die Pflegefamilie bei uns vorbeischaute, um sich das Umfeld und unsere Lebenssituation anzuschauen. Sie waren so angetan davon, dass sie Luna gleich da liessen. Dabei wurde mal kurz der Begriff Leishmaniose erwähnt - und dass Luna noch die Packung Allopurinol-Tabletten zu Ende nehmen müsse, dann sei sie gesund. Leishmaniose sei ja nichts Schlimmes. Luna zog am 20.03.2002 bei uns ein.

Luna war damals ca. 8 Monate alt. Sie hatte am ganzen Bauch, an den Augen und den Lefzen rote, entzündete Stellen. Außerdem war sie sehr dünn und ziemlich schlapp. Aber langsam taute sie auf und fasste Vertrauen. Nach ein paar Wochen waren auch die Tabletten aufgebraucht, und über die Krankheit Leishmaniose machte ich mir schon lange keine Gedanken mehr. Luna war ja jetzt gesund.

Um ihr etwas Gutes zu tun, wechselte ich oft das Futter und gab ihr jeden Tag Schweineohren und viele Leckerlis, die ich in Tierhandlungen gekauft hatte. In all diesen Wochen hatte Luna immer entzündete Augen und mit der Analdrüse stimmte etwas nicht. Also schleppte ich sie immer wieder zum Tierarzt, der jedes Mal Antibiotika verschrieb. Immer wieder wurden ihr die Analdrüsen ausgedrückt. Diese waren entzündet. Oft wurde solange gedrückt, bis Blut kam. Luna ertrug das alles ohne nur einmal zu jammern!

Da mein Tierarzt sich nicht sicher war und den spanischen Impfpass nicht lesen konnte, wurde Luna nochmals geimpft und entwurmt. In meinem Umfeld war das so üblich, und ich war mir niemals bewusst, das ich alles falsch machte, was es falsch zu machen gab.
 
Das viele Schlafen führte ich darauf zurück, das solche Hunde vieles durchgemacht und viel Stress gehabt hatten und sich erst mal richtig gesundschlafen müssen. Aber Luna ist auch eine sehr ruhige Hündin, die man im Haus suchen muss und die sich bei Kälte und Regen in ihren Korb in die äußerste Ecke verkrümelt.

Dann, ca. 1 Jahr später, wurde ich das erste Mal stutzig, als Luna ihre geliebte Schinkenwurst nicht fraß. Dass sie noch mehr schlief als sonst, führte ich darauf zurück, das es sehr kalt draußen war und Luna eine absolute Frierhippe ist. Also blieb sie lieber im Korb. Sie verlor sehr viel Fell, aber auch dafür fand sich eine Erklärung: Es wurde Frühling und der Fellwechsel stand an. Aber es war so viel, das selbst meine Bekannten mich darauf ansprachen.

Sie roch sehr schlecht aus dem Maul, und ihr Fell begann zu stinken. Dann verlor sie das Fell um die Augen herum, die typische Brillenbildung. Dass sie so schwer von ihrer Decke hochkam, führte ich auf die Kälte zurück. Kurz darauf Luna wollte dann nicht mehr „Sitz“ machen. Wieder eine Erklärung: Sie ist in der pubertären Phase und will testen, wie weit sie gehen kann. Ich bin heute immer noch wütend auf mich. Wie oft habe ich sie „Sitz“ machen lassen. Und Luna hat trotz ihrer schlimmen Schmerzen gehorcht!
 
Zum Tierarzt ging ich nicht mehr, weil Luna mittlerweile einen absoluten Horror vor Tierarztpraxen hatte. Aber dann musste es doch sein. Luna bekam von einer bestimmten Futtersorte immer ganz dicke Beine und viele Pusteln. So fuhr ich also in die Tierklinik, und der Tierarzt stellte eine Futtermittelallergie fest. Endlich fand sich eine Erklärung, warum Luna so schlecht aussah.

An Leishmaniose dachte ich immer noch nicht, bis ich mit einer Bekannten telefonierte. Als ich ihr die Symptome schilderte, fiel zum ersten Mal wieder das Wort Leishmaniose. Sie riet mir, doch noch mal zum Tierarzt zu gehen und Blut für einen ELISA-Test einzuschicken. Ich handelte immer noch nicht, weil mir damals versichert wurde, dass Leishmaniose nicht schlimm sei, wie eine Grippe halt.
 
Als ich das nächste Mal beim Tierarzt war, weil Luna´s Zustand nicht besser wurde, erwähnte ich ganz nebenbei, dass Luna früher Leishmaniose gehabt hatte. Das machte ihn hellhörig - endlich hatte das Ganze eine Erklärung. Sie bekam sofort wieder Allopurinol. Der Titer war 1:256. Etwas später lernte ich eine Hundebesitzerin kennen gelernt, deren Pointer auch Leishmaniose hat. Sie machte mir sehr viel Mut und führte mich sehr gut in das Thema Leishmaniose ein. Luna bekam jetzt Allopurinol und Futter, das sie sehr gut vertrug. Es dauerte ein halbes Jahr, bis sie wieder ganz die Alte war.

Im Sept. 2003 ließ ich wieder einen Leishmaniose-Test machen. Das Ergebnis lautete 1:512. Das machte mich ziemlich nervös. Luna ging es viel besser, trotzdem war der Titer in die Höhe geschossen. Warum? Zum Glück war wieder meine Bekannte zur Stelle, erklärte mir alles und sprach mir Mut zu. Die Höhe des Titers müsse nichts mit dem Zustand des Hundes zu tun haben. Man solle den Hund beobachten, aber nicht in Panik verfallen.

Ich lernte, wie wichtig es ist, über diese Krankheit aufgeklärt zu werden. So kann man den Tieren einen langen Leidensweg durch Tierarztpraxen ersparen und eine gezielte Therapie einleiten.

So habe ich mit der Zeit gelernt, mit der Leishmaniose umzugehen. Ich kenne Luna am besten und weiß, was gut für sie ist und was nicht. Ich beobachte sie, packe sie aber nicht in Watte. Seit ca. einem ¾ Jahr geht es Luna blendend. Sie sieht klasse aus und ist putzmunter.

Vorr ca. einem Jahr habe ich begonnen, sie mit Rohfutter zu ernähren. Es tut ihr sehr gut. Die letzten Blutwerte fielen gut aus. Der ELISA-Test ist zwar sehr hoch, 68 Antikörper-Einheiten, aber da sie in sehr guter Verfassung ist, lasse ich alles wie es ist. Wir haben uns Luna´s Krankheit angepasst und gelernt, damit zu leben. Luna hat unser Leben so bereichert, und wir geniessen jede Minute mit ihr.

Ob ich Luna auch genommen hätte, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt? Nein, ich glaube nicht. Vielleicht wäre meine Einstellung anders, wenn ich gut über diese Krankheit aufgeklärt worden wäre. Dann weiß man, was einen erwartet, was auf einen zukommen kann - nicht nur auf der emotionalen, sondern auch auf der finanziellen Seite.

Trotzdem möchte ich mit diesem Bericht allen betroffenen Besitzern Mut machen und zeigen, dass ein Hund gut mit dieser Krankheit leben kann.

Mein großes Ziel ist es, in 10 Jahren hier auch noch mal über Luna berichten zu können, wie sie fröhlich über die Felder hüpft und uns jeden Morgen schwanzwedelnd begrüßt!

 


Forum Selbsthilfegruppe Leishmaniose

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