Litó aus Griechenland
geschrieben am 2. Februar 2004 von Rika I. aus Stuttgart

Im Juli 2003 wurde ich auf eine kleine streunende Hündin aufmerksam gemacht: mein Vater erzählte mir, dass diese Kleine eine total liebe Hündin sei. Ich schaute mir die Hündin bei der nächsten Gelegenheit an, denn sie lebte auf den Straßen des Dorfs auf der Peloponnes, wo wir unser Ferienhaus haben.

Sie war circa 50 cm hoch, schwarz mit einer ungewöhnlichen Zeichnung und sah aus wie ein kleiner Münsterländer mit Setter oder auch Border Collie. Sie war sehr lieb und zutraulich, zeigte keine Angst oder Misstrauen und schien der Gesellschaft der Menschen vertraut zu sein. Ihr zu mir gewandter Blick fesselte mich, diese Hündin wollte ich sofort bei mir wissen! Ich beobachtete sie in den darauffolgenden Tagen, und schnell war die Entscheidung klar: Wir nehmen sie mit nach Deutschland!

Ich telefonierte einige Male mit meiner Freundin Christel, die gerade nach einer kleinen, gut verträglichen Zweithündin suchte, und wir wurden uns einig. Christel wollte sie übernehmen, und ich sollte sie dabei unterstützen, falls es zu Komplikationen kommen sollte, wie z.B. einer Trächtigkeit, einer Erkrankung oder einer Unverträglichkeit mit Christel’s Dalmatinerrüden Danny. Alles klar!


Litó kommt zu uns
Anfang August nahmen mein Mann Andy und ich die kleine Hündin zu uns und fuhren mit ihr zum Tierarzt. Leider war unser Haustierarzt gerade im Urlaub, so musste sie von einer Vertretung untersucht werden: sie sei zwischen 1 und 2 Jahren alt, gesund und müsse nur noch geimpft und entwurmt werden. Obwohl wir unsere Hunde normalerweise nicht impfen und nicht entwurmen, machte ich mir keine Gedanken dabei. Es wird schon richtig sein, denn sie hat ja schließlich auf der Straße gelebt. Na gut. So erhielt sie eine Kombi-Impfung (Sechserpräparat) und Entwurmungstabletten. Die Tierarzthelferin stellte einen internationalen Impfpass aus. Die Hündin bekam den Namen Litó, der mit Christel am Telefon abgesprochen worden war. "Sie hat Glück, dass Sie sich sie ausgeguckt haben! Sie kommt nun von der Straße weg!", sagte uns die junge Frau und gab uns den Pass.

Erst zu Hause fiel mir auf, dass Litó läufig war. Auf dem Spaziergang mit unseren drei Dalmatinern konnte sie sich problemlos durchsetzen und unseren Rüden, der sie belästigen wollte, weg bellen. Alles kein Problem für sie. Sie nahm sehr große Futtermengen zu sich, sogar mehr als je einer der Dalmatiner fressen konnte. Da Christel und ich seit Jahren unsere Hunden mit Frischfutter füttern, stellte ich Litó sofort auf dieses Futter um: sie war begeistert! Später nahm ich noch wahr, dass sie von Zecken massiv befallen war, und fing an, die Zecken zu entfernen. Es waren zweierlei: kleine fast schwarze, die nicht festsassen, und bunte (rot-schwarz), die fest waren. Ein Fall für den Tierarzt, dachte ich, da uns bekannt war, welche Erkrankungen über Zecken übertragen werden können.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder in die Stadt. Der Tierarzt untersuchte Litó erneut und sagte uns, er gehe davon aus, dass sie am Anfang der Läufigkeit sei. Wegen des Zeckenbefalls gab er uns ein Shampoo mit, damit fielen sie von alleine ab....

Ab sofort passten wir auf, dass Litó ja nicht ausbüxte, um sicher zu stellen, dass sie nicht gedeckt würde. Aber drei Tage später war die Blutung vorbei!! So war klar, dass Litó eben am Ende der Läufigkeit und mit gewisser Sicherheit bereits trächtig war. Christel und ich trugen es mit Fassung und sprachen uns genauer ab, wie wir damit umgehen wollten - zu zweit, denn wir sind beide berufstätig, haben Kind(er) und Hund(e).

Was die Zecken betrifft, wuschen wir Litó einmal mit dem chemischen Mittel Bolfo der Firma Bayer und wendeten zusätzlich Kräuter an, nach Absprache mit einem Kräuterkundigen in der Stadt. Die Zecken begannen abzufallen. Innerhalb einer Minute waren 2-3 Zecken auf den weißen Fliesen zu sehen! Mit Schreck versuchte ich alle Zecken zu töten, damit sie ja nicht die anderen Hunde aufsuchten! Litó lag besonders gern in der Nähe unserer jüngsten Hündin Bella, die dann von den Zecken "angestrebt" wurde... Nach der ersten Woche waren alle Zecken weg, Litó sah gepflegt und gesund aus.

In der Zwischenzeit bemerkten wir, dass Litó oft lange schlief - im Gegensatz zu unseren anderen Hunden - und nicht immer mitrannte. Sie fraß aber weiterhin große Mengen und verhielt sich völlig normal. Trotzdem wollte ich Litó unbedingt "unserem" Tierarzt vorstellen, der nun vom Urlaub zurück war. Ich habe ihm alles erzählt und viele Fragen gestellt. Eine Trächtigkeit sei noch nicht feststellbar. Ansonsten befand er Litó nach einer gründlichen Untersuchung als gesund. Er könne sie auf Leishmaniose usw. untersuchen, er empfehle uns jedoch, es noch nicht zu tun - erst nach einigen Wochen oder falls entsprechende Symptome auftauchen würden. Zu den langen Schlafzeiten hat er erklärt, dass dieser Hund nicht mit den Dalmatinern verglichen werden könnte, sie sei vom Charakter her nicht so aktiv oder zappelig. Außerdem müsse sie sich der neuen Situation anpassen, das sei stressig für sie. Nachdem er uns davon abgeraten hatte, Litó im Moment näher untersuchen zu lassen, fuhr ich erstmal beruhigt nach Hause.

Die nächsten vier Wochen in Griechenland waren völlig problemlos. Litó ist mit Menschen, Tieren, Haus und Garten prima ausgekommen - als ob sie schon immer dazu gehört hätte. Sie hat mit unseren Hündinnen gespielt, sie hat das Haus und den Garten verteidigt, sie hat Fremde gemeldet, und dabei einen glücklichen Eindruck gemacht. Wir hatten große Freude mit allen Hunden, Litó mit ihrer anderen Art war eine tolle Ergänzung.

Nach Deutschland
Anfang September machten wir uns auf den Weg nach Deutschland. Vier Leute und vier Hunde im VW-Bus. Die Fahrt im Auto war für Litó sowie für die anderen Hunde kein Problem. Aber die Fahrt auf der Fähre war ihr unheimlich, und sie wollte im Auto bleiben!! Das konnte sie beinahe 24 Stunden aushalten!

Wir kamen gut an, und auf Christels Wunsch brachten wir ihr den Hund sofort nach Hause.  Christel hatte bereits einen wunderschönen Korb, einen Napf und anderes Zubehör für den Neuankömmling besorgt und freute sich sehr auf die Kleine. Die ersten Tage im neuen Zuhause waren unkompliziert, alle drei Familienmitglieder fanden Litó süß. Danny hatte endlich eine Spielkameradin. Litó musste einiges kennen lernen, das sie aber nicht überforderte. Mit Danny gab es keine Probleme, Litó setzte sich rasch als "Chefin" durch.

Der erste Tierarztbesuch in Deutschland verlief gut. Auch hier wurde sie für gesund gehalten, die Milz sei etwas vergrößert, im Bauch sei eventuell Nachwuchs drin. Christel und ich hatten ausgerechnet, dass Litó Anfang Oktober werfen würde. Die Tierärztin konnte den Termin nicht bestätigen.

Litó ging es gut, sie war an Allem interessiert, fraß ganz normal und hatte weiterhin ein schönes, glänzendes Fell.

Eine Woche später wurde sie erneut von der Tierärztin untersucht. Alles in Ordnung, eine Röntgenaufnahme belegte die Trächtigkeit. Eigenartigerweise konnte die Tierärztin nicht definieren, in welcher Woche der Trächtigkeit Litó sich befand. Sie sprach von mindestens einem Embryo, aber Litó solle in einer Woche wieder untersucht werden.

Die Probleme beginnen
Langsam bekam Litó einen dicken Bauch, der täglich wuchs, bis sie insgesamt schwer wurde und ungern laufen wollte. Das fand die Tierärztin zwar ungewöhnlich, aber nicht verdächtig. Litó verlor allmählich den Appetit und stand ungern auf, inzwischen verlor sie auch Urin und blieb im kleinen "See" liegen.

Christel erschien dies besorgniserregend und suchte mal wieder die Tierarztpraxis auf. Die Tierärztin war überfordert und holte ihren "Chef" dazu, der Litó ebenfalls untersuchte. Eine weitere Aufnahme ließ keine Aussage über den Wurftermin zu. Der Tierarzt wollte telefonischen Kontakt behalten, er solle sofort angerufen werden, wenn der Zustand sich verschlimmere. Wir waren natürlich besorgt und fragten herum, welche Erfahrungen andere gemacht hatten. Wir nahmen Kontakt mit Züchterinnen und Pflegestellen auf und erhielten einige wertvolle Tipps.

Am letzten September-Wochenende ging es Litó so schlecht, dass sie gar nicht mehr aufstehen wollte. Sie hatte auch einen seltsamen Geruch aus dem Maul, der eigentlich ab diesem Zeitpunkt fast immer da war.

Der Eingriff
Der Tierarzt wurde am Samstag telefonisch informiert, meinte aber, alles sei noch im grünen Bereich. Litó lag an diesem Tag auf den Fliesen in der Wohnung und interessierte sich für gar nichts mehr. Wir waren sehr besorgt. Christel rief eine andere Tierklinik in unserer Region an; dieses Telefonat half uns aber nicht weiter.

Am Montag in der Praxis wollte uns die Tierärztin beruhigen und mit der Bemerkung wieder nach Hause schicken, ein anderes Futter sei hilfreich. "Seltsames Tier" war ihr Kommentar.

Immerhin holte sie sicherheitshalb ihren Chef wieder dazu, der uns Fragen stellte und Litó untersuchte. Ihm war rasch klar, dass Litó am vergangenen Samstag keine Kraft mehr gehabt hatte, die Wehen fortzusetzen, und ein Kaiserschnitt nun sofort fällig war - ohne jegliche Verzögerung! Wir stimmten dem zu und fuhren in der Zwischenzeit nach Hause, um unsere Dalmatiner zu versorgen, Helfer anzurufen und diese zum Tierarzt mitfahren lassen.

Zu sechst waren wir nachmittags in der Praxis. Christel kümmerte sich um Litó, die anderen übernahmen die Welpen. Es gab acht Welpen: sieben Rüden und eine Hündin. Drei davon waren schon tot, als wir in die Praxis zurückkehrten. Die anderen fünf waren in Lebensgefahr und mussten massiert werden. Kurz darauf verstarb ein weiterer Welpe. Einen der übrigen vier brachten die Tierärztin und ich zu Litó. Leider biss sie ihn sofort und verletzte ihn so, dass er Stunden später ebenfalls starb.

Mit den überlebenden drei Welpen und Litó fuhren wir zu Christel. Dort sorgten wir dafür, dass kontinuierlich Leute anwesend waren, denn sowohl Litó wie auch die drei Welpen befanden sich noch in Lebensgefahr. Bis zum nächsten Mittag waren alle Welpen trotz medizinischer Versorgung tot, und Litós Zustand hatte sich verschlechtert. Anämie, Niereninsuffizienz und Schwäche standen im Vordergrund. Antibiotika-Spritzen bekam sie schon aufgrund des Kaiserschnitts, und später auch wegen erhöhter Temperatur. Ein Scheidensekret war feststellbar. Neben der veterinärmedizinischen Betreuung konsultierten wir eine Tierheilpraktikerin, einen Homöopathen und eine weitere Tierheilpraktikerin. Litó erhielt diverse Mittel, die allerdings nicht viel bewirkten.

Eine Tierheilpraktikerin kam sogar nach Hause und versorgte Litó mit Mitteln, die ihr weiterhelfen sollten. Sie könne sich vorstellen, eine begleitende Therapie zur Unterstützung zu machen. Erst als später das Wort Ehrlichiose fiel, sagte sie uns, dass sie lieber die Finger davon lassen möchte.

Erst Tage später bat ich eine klassisch homöopathisch arbeitende Tierheilpraktikerin, Litó ein Mittel zu geben, damit sie wieder zu Kräften kommen konnte. Das Mittel war Arsenicum album, es hat leider auch nicht geholfen.

Thema Ehrlichiose
Ab diesem Zeitpunkt musste Litó täglich zum Tierarzt gebracht werden - für eine lange Zeit. Da Christel halbtags arbeitet, betreute ich Litó vormittags. Christel musste auch nachts auf sie aufpassen. Erst Tage nach dem Kaiserschnitt, bei dem auch eine Kastration vorgenommen wurde, ließ der Tierarzt Litó’s Blut untersuchen. Die Nierenwerte und das Blutbild waren sehr schlecht, der Leishmaniose-Test ergab einen grenzwertigen Befund, Ehrlichiose war positiv, Babesiose negativ.

Der Tierarzt informierte sich und setzte das Antibiotikum Doxycyclin in Form von Tabletten ggen die Ehrlichiose ein. Litó vertrug es jedoch nicht gut. Sie bekam Durchfall, und die Behandlung musste unterbrochen werden. Statt dessen erhielt sie eine Antibiotika-Spritze, die zu allergischen Reaktionen führte: am Bauch breitete sich eine Rötung und Ausschlag aus.

Die Lymphknoten waren stark geschwollen, und bildeten sich auch bis zum Schluss nicht zurück.

Nach dieser Diagnose waren wir ziemlich frustriert, obwohl wir anfänglich dachten, die Prognose sei immerhin besser als bei Leishmaniose

Ich rief den griechischen Tierarzt an, weil er mehr Erfahrung mit solchen Krankheiten besitzt und uns in all den Jahren sehr gut beraten sowie unsere Hunde einwandfrei behandelt hat. Er hörte sich alles an und bestätigte mir, dass die Behandlung mit Doxycyclin durchzuführen sei. Er gab mir viele Informationen und bot mir an, ihn bei Schwierigkeiten wieder anzurufen.

Danach rief ich die telefonische Beratung von ZeckLab an. Im Prinzip verlief das Gespräch wie das mit dem griechischen Tierarzt. Auch diese Dame bestätigte die Richtigkeit der Vorgehensweise und beschrieb die Schritte klar und nachvollziehbar, bis zur Heilung.

Beruhigt, dass die Informationen identisch waren, erstellten Christel und ich eine lange Liste mit Fragen und Vorschlägen, die wir mit zum betreuenden Veterinärmediziner nahm. Er nahm sich die Zeit, um alle Fragen zu beantworten und die Vorschläge zu diskutieren. Auch er hatte die gleichen Informationen. Das gab uns beiden ein gutes Gefühl und erhöhte unser Vertrauen zum Tierarzt.

Die Bluttransfusionen
Ein anderes Antibiotikum, Vibramycin als Saft, kam zum Einsatz, für ungefähr eine Woche. Litó kam damit besser zurecht, aber ihr Allgemeinzustand wurde nicht besser. Die Nieren- und die Blutwerte blieben schlecht. So wollte der Tierarzt eine Bluttransfusion vornehmen und wartete auf den "passenden" Moment. Diese erste Transfusion verlief problemlos, das Blut einer Dobermannhündin stabilisierte den Zustand von Litó für eine kurze Zeit. Ihr Appetit wechselte von sehr schlecht bis relativ gut, aber sie war schlapp und schlief viel. Im Laufe der Zeit bekam sie ein schuppiges Fell und verlor an Gewicht.

Die Behandlung mit Vibramycin wurde nach einer Woche unterbrochen, weil der Tierarzt Litó eine "Erholungspause" gönnen wollte. Der neue Bluttest zeigte auch, dass die Ehrlichien zurückgedrängt worden waren. Also sprach nichts gegen diese Pause. Leider brachte sie aber auch nichts, es kam sogar dazu, dass die Ehrlichien sich wieder vermehrten... So wurde der Vibramycin-Saft wieder eingesetzt, diesmal für über vier Wochen.

Die Blut- und Nierenwerte "spielten verrückt", wir bekamen unterschiedliche Aussagen. Einmal waren die Blutwerte besser, dafür aber die Nierenwerte schlechter. Dann war beides gleichbleibend. Dann wieder genau andersherum oder auch beides besser.

Litós Appetit ließ nach, sie fraß unregelmäßig, am besten nach der Mittagszeit oder sogar abends, mal war Hähnchen die beste Wahl, mal war Blättermagen gefragt, dann war Fisch gut und so ging es weiter. Christel mußte jeden Tag alles Mögliche ausprobieren und dran bleiben, damit Litó überhaupt etwas zu sich nahm. Es blieb jedoch alles ohne den gewünschten Erfolg.

Häufige Durchfälle, manchmal auch blutige, quälten die kleine Hündin und entkräftigten sie allmählich. Es war aber nicht immer gleich, oft war ihr Kot auch gut geformt.

Einmal saßen Christel und ich mittags im Behandlungszimmer, während Litó eine Infusion bekam. Die wurden üblicherweise in der Mittagspause durchgeführt, damit der Tierarzt sich Litó in Ruhe widmen konnte. Während der Infusion fiel uns auf, dass Litó einen "Buckel" auf der Nase bekommen hatte. Der Tierarzt erklärte, dass dies durch die Infusion komme und wieder verschwinden werde. Der Buckel verschwand später auch wieder, um Tage oder auch Wochen später nochmals kurz zu erscheinen.

Als die Blutwerte sehr schlecht wurden, kam es zu einer zweiten Bluttransfusion. Auch das Blut einer deutschen Dogge brachte nicht das gewünschte Ergebnis, Litós Zustand blieb unverändert schlecht. Sie nahm weiter ab, obwohl sie geschont und gepflegt wurde. Bereits seit dem Kaiserschnitt durfte sie keinen Spaziergang bekommen, nur sporadisch durfte sie einen Minispaziergang mitmachen, war aber überwiegend nur in Haus und Garten. Damit wurde uns auch das unglaublich schnelle Krallenwachstum als "normal" erklärt, da die Krallen keine Gelegenheit hatten, sich abzunutzen.

Die Tierarztbesuche machten ihr nichts aus, sie ließ alles sehr locker über sich ergehen und schien Vertrauen zum Tierarzt zu haben. Ein Infekt erwischte sie, sie nieste viel dabei und ihre Nasenlöcher waren verstopft. Dazu kam ein Augenausfluss, den uns der Tierarzt als passend zur Infektion erklärte, obwohl er den Verdacht hatte, es könnten die Ehrlichien sein, die inzwischen die Schleimhäute angreifen - es gehöre auch zum Bild dieser Krankheit.

Da Litó bereits sehr geschwächt war, wurde nichts gegen die Infektion vorgenommen, es würde einige Zeit benötigen, bis sie wieder weg wäre. Nur eine antibiotische Augensalbe wurde aufgrund des oben erwähnten Verdachts verwendet. Diese Salbe hat nie angeschlagen. Litó röchelte stark, die Nasenschleimhaut war angegriffen und es kam zu Nasenblutungen. Litó bekam weiterhin Infusionen, sogar an den Wochenenden mußte sie in die Praxis gebracht  oder der Tierarzt mindestens telefonisch informiert werden.

Ein Bioresonanzgerät wurde nun regelmäßig einbezogen, das sei gut für die Nieren. Leberschützende und -stärkende Mittel sowie Vitaminpräparate wurden ebenfalls regelmäßig gespritzt.

Eine Autoimmunerkrankung?
Der Infekt ließ nicht nach, Haarausfall trat auf, alle Werte wurden schlechter. Unsere Sorge nahm zu. So fragten wir nochmals den Tierarzt, ob es noch Hoffnung gebe, dass Litó gesund würde. Daraufhin erklärte er uns schlüssig, dass sie noch durchaus gesund werden könne! Möglich sei trotzdem, dass sich dieser Zustand festsetze und Litó quasi für immer ein Pflegefall bleibe. Über Euthanasie könnten wir sprechen, wenn es noch schlechter werden sollte. Christel betonte mehrmals dem Tierarzt gegenüber, sie möchte keinesfalls, dass Litó Schmerzen hat. Seine Antwort war: nein, Schmerzen habe sie nicht.

Nun gut, wir machen mutig weiter und hofften auf Besserung ... Bald darauf wurde die Diagnose Autoimmunerkrankung gestellt. Uns wurde erklärt, das bedeute, dass ihr Körper gegen die Ehrlichien vorgehen wolle, dabei aber überaktiv werde und schließlich selber die roten Blutkörperchen zerstöre - vereinfacht formuliert. Dagegen könne man nicht viel unternehmen. Man solle nur das Immunsystem nicht stärken, weil sich dies negativ auswirke. Eine Cortisonbehandlung wurde parallel zur antibiotischen Behandlung eingesetzt, obwohl wir große Sorge damit hatten, denn es ist eine heftige Kombination; außerdem waren die Nieren der Hündin bereits sehr belastet.

Die bei einer Ehrlichiose erniedrigten Thrombozyten schwankten ordentlich, der Hämatokrit und das Hämoglobin eben so. Die Nierenwerte waren trotz der Infusionen über Wochen hinweg katastrophal. Litó pflegte viel zu trinken, auch in Zeiten, zu denen sie kaum essen wollte.

Mitte Dezember ging es ihr wieder so schlecht, dass eine neue Bluttransfusion notwendig gewesen wäre. Litós Zustand ließ es jedoch nicht zu, deshalb empfahl der Tierarzt das Mittel Oxycyclin: das sei leichter für den Hund und verursache keine Komplikationen. Litó bekam zwei Infusionen an zwei aufeinander folgenden Tagen, die an sich gut verliefen, aber keine Besserung bewirkten. Litó hatte so massiv abgenommen, dass sie aus Knochen und Fell bestand. Bei einem Idealgewicht von 15 Kilo lag sie zu diesem Zeitpunkt bei weniger als 11 Kilo. Allmählich fiel uns auf, dass sie Haare büschelweise verlor und dass sie um die Augen herum kahl wurde. Durch den Augenausfluss wirkte diese Körperregion trüb. Als wir den Tierarzt fragten, warum dies passiert, bekamen wir die Antwort, dass "der Körper spart"...

Es wird nicht besser...
An Weihnachten hatten wir einen Termin bei einer Tierheilpraktikerin, die sich Litó anschaute und uns sagte, der Hund lebe bereits im Himmel und wir sollen sie gehen lassen! Sie machte trotzdem einen Therapievorschlag, obwohl sie der festen Überzeugung war, dass Litó nicht mehr geheilt werden könne. Richtig frustriert wandten wir uns am nächsten Tag an den Tierarzt. Er sehe es nicht so, es bestehe noch Hoffnung und er wolle es weiter probieren.

In der gesamten Zeit interessierte sich Litó für die anderen Hunde wenig; wenn es ihr zu viel war, brummte sie sie weg. Unsere vier Dalmatiner beschnupperten Litó wiederum hochinteressiert, ließen sie aber immer in Ruhe. Auch die Besucherhunde zeigten daran Interesse, Litó zu beriechen - mehr war nicht drin.

Die nächsten Untersuchungen waren so verwirrend, dass wir nichts mehr damit anfangen konnten. Der Tierarzt sagte, er könne es so interpretieren, dass die Ehrlichien erfolgreich bekämpft wurden, das Immunsystem aber noch weiter arbeite, deshalb sei der Titer noch sehr hoch.

Christel und ich waren uns einig, dass wir nun wirklich Herrn Dr. Naucke kontaktieren sollten. So rief ich ihn an und erzählte ihm einiges über den Verlauf. Er versuchte die Laborwerte zu interpretieren, was ihm aber nicht gelang, da die Referenzbereiche nicht angegeben worden waren! In allen Befunden gab es keine Referenzbereiche, und auch keinen Hinweis darauf, welches Verfahren jeweils verwendet worden war. Nach einem langen Telefonat riet mir Herr Dr. Naucke, die Hündin zu einem Tierarzt in seiner Nähe zu bringen, wo er bei der Untersuchung anwesend sein könne. Christel war natürlich sofort einverstanden und wir bekamen einen Termin für den nächsten Tag.

Eine aussichtslose Diagnose
Unsere ganzen Hoffnungen setzten wir in diese Untersuchung. Am Silvestermorgen fuhren wir in aller Frühe los und suchten die Tierarztpraxis auf, wo auch Dr. Naucke anwesend war. Der dortige Tierarzt und Dr. Naucke schauten sich Litó an, die erste Bemerkung war: "dieser Hund ist sehr sehr sehr sehr sehr krank und kann wahrscheinlich nicht mehr gesund werden". Litó wurde gründlich untersucht, ihr wurde Blut abgenommen und gleich untersucht bzw. nach Zürich gesandt.

Im Untersuchungsraum unterhielten wir uns mit Herrn Dr. Naucke ausführlich, er erklärte uns sehr viel und beantwortete unzählige Fragen.

Die Ergebnisse der Labor-Untersuchungen waren niederschmetternd. Keine Babesiose, keine Dirofilariose, vermutlich auch keine Ehrlichiose (!), aber sicher Leishmaniose. Die Blut- und die Nierenwerte waren so schlecht, dass keine Hoffnung bestand. Der Tierarzt sagte uns, dass der Hund schnell eingeschläfert werden sollte, er sei sich ganz sicher. Später erfuhren wir noch, dass Dr. Naucke an diesem Tag sogar freie Leishmanien im Blut von Litó gefunden hatte!

Die Fahrt nach Hause mit dem Wissen, dass Litó bald gehen mußte, war einfach dramatisch. Unser Tierarzt, durch den anderen Tierarzt telefonisch informiert, war von den neuen Erkenntnissen nicht überzeugt und wollte es weiter probieren. Es sei nur eine Verdachtdiagnose und nicht wissenschaftlich bewiesen. Er wollte nichts mehr unternehmen, er sah nicht ein, dass Litó Leishmaniose-krank war und erwartete eine Besserung ihres Zustands in den nächsten Tagen.

Wir haben auch die erste Tierheilpraktikerin nochmals kommen lassen, in der Hoffnung, dass sie uns helfen könnte. Sie sah trotz der verheerenden Diagnose eine minimale Chance, die Nieren homöopathisch zu behandeln und bessere Werte zu erzielen. So ließen wir uns kurz entschlossen darauf ein, als allerletzte Hoffnung für das Leben von Litó. Litó tat uns auch den Gefallen und zeigte eine geringe Besserung, etwas Appetit und wie immer den Willen, weiter zu kämpfen. Diese Phase war aber auch schnell vorbei. Am Samstag Abend hörte sie auf zu fressen, bekam Durchfall und einen starken Nierengeruch. Uns wurde klar, dass wir Litó wirklich gehen lassen mußten. Christel und ich wollten noch den Sonntag abwarten, ob sich nicht doch noch eine Besserung zeigen würde.

Die Verabschiedung
Am Sonntag ging es Litó so schlecht, dass wir nicht mehr warten wollten und konnten. Christel ließ sich für mittags einen Termin beim Tierarzt geben. Litó ließ sich vom Tierarzt streicheln und bot Christel ihren Bauch zum Streicheln zum letzten Mal an - das hatte sie schon immer geliebt.

Das Ergebnis des Leishmaniose-Tests aus Zürich war stark positiv, 65 Antikörper-Einheiten. Das Telefonat mit Herrn Dr. Naucke bestätigte meine Befürchtungen. Das Kombipräparat für die Impfung in Griechenland war der erste Fehler, die Entwurmung am selben Tag war der zweite Fehler - sie war ja auch schon trächtig zu diesem Zeitpunkt. Die rasche Fütterungsumstellung, als Litó von der Straße zu uns kam, war für sie eine große Veränderung. Der Transfer nach Deutschland, die neuen Klimabedingungen, das neue Zuhause waren Stressfaktoren, die wir nicht berücksichtigt haben. Die Trächtigkeit nach all diesen Belastungen kann zum Ausbruch der Erkrankung geführt haben. Der Kaiserschnitt und die gleichzeitige Kastration haben die Hündin noch heftig belastet. Schließlich ist sie auf Ehrlichiose behandelt worden, die es eventuell nie gegeben hat. Alle weiteren Symptome wurden immer so erklärt, dass alles zum Krankheitsbild der Ehrlichiose gehörte. Unsere Unwissenheit und das Vertrauen zu unserem Tierarzt waren sehr schlechte Ratgeber.

Nun wissen wir, was unsere Fehler waren - es hat das Leben eines Lebewesens gekostet. Aus diesem Grund möchten wir unsere Erfahrung weitergeben. Vielleicht kann das Leben anderer Hunde somit gerettet werden. Das tun wir als einen letzten Dienst für unsere kleine liebe Litó.

 

 


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