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Aujeszkysche Krankheit
Aladár Aujeszky (1869-1933), ungarischer Tierarzt
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Die Aujeszkysche Krankheit bzw. Morbus Aujeszky ist auch bekannt als:
- Pseudowut, engl. 'Pseudorabies' (oft Verwechslung mit Tollwut)
- Juckpest (starker Juckreiz am ganzen Körper, beginnend an Nase und Ohren), engl. 'mad itch'
- Tollkrätze
- infektiöse Bulbärparalyse (Pharynxlähmung mit vermehrtem Speicheln und Schluckbeschwerden)
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Die Aujeszkysche Krankheit ist eine Schweineseuche (Zucht- und Wildschweine), die Inkubationszeit beträgt 2-9 Tage.
Die Aujeszkysche Krankheit wird durch das suine Herpesvirus 1 (SHV1) oder Pseudorabies-Virus (PrV) verursacht. Das SHV1 bzw. PrV ist serologisch verwandt mit dem bovinen Herpesvirus1 (BHV1).
Die Aujeszkysche Krankheit ist eine akute bis perakute, tödlich verlaufende Infektion des Hirnstammes und der Hirnnervenkerne. Es treten Störungen des Zentralen und Perizentralen Nervensystems auf.
Gefährdet sind alle Fleischfresser, die Kontakt mit Schweinen haben oder rohes Schweinefleisch fressen.
SHV1 ist weltweit verbreitet, die Virulenz der Stämme ist aber regional unterschiedlich. In der EU sind derzeit (Jan. 2003) folgende Regionen nicht-Aujeszky-frei (im Sinne der Richtlinien der Kommission der Europäischen Gemeinschaft):
- Belgien
- Deutschland (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen)
- Frankreich (einige Departements)
- Griechenland
- Italien
- Niederlande
- Portugal
- Spanien
Die aktuellen Daten der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zur Verbreitung von Aujeszky in Europa finden Sie (als PDF File) hier.
Hunde spielen bei der Verbreitung dieser Seuche keine
Rolle, jedoch wird Aujeszky bei Hund oder Katze als Anzeichen subklinischer Erkrankungen in einem Schweinebetrieb gewertet (Endemieverdacht). Beim Hund verläuft Morbus Aujeszky stets innerhalb von 1 bis 3 Tagen
tödlich.
Es herrscht Anzeigepflicht.
Übertragung
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Schweine sind das natürliche Virusreservoir.
Die Übertragung des Virus erfolgt primär durch das Fressen von virushaltigen, nicht erhitzten Innereien
oder rohem Schweinefleisch (z.B. Schlachtabfälle). Innerhalb eines Bestandes breitet sich SHV1 jedoch aerogen (Luft, Tröpfcheninfektion)aus. Ansteckungsquellen sind dann das Nasensekret,
Milch und Sperma. Sauen streuen das Virus über abortierte Föten. Einzelne Tiere werden bei Persistenz des Virus zu Dauerausscheidern. Zu den Virusträgern können nicht nur empfängliche,
sondern auch schutzgeimpfte Schweine werden. Das Genom des Virus persistiert, wie bei allen Herpesviren in den Trigeminusganglien, sowie in den Tonsillen. Durch Stressfaktoren kann es reaktiviert
werden und wieder ausgeschieden werden.
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Auch Ratten können das Virus auf andere Betriebe verschleppen und z.B.durch Bisse auf andere Tiere übertragen. Hunde, Katzen und Wiederkäuer (Rind, Ziege, Schaf, Hirsch, etc.)
erkranken ebenfalls tödlich. Eine Übertragung von Wiederkäuer zu Wiederkäuer wird vermutet. Eine Infektion des Menschen ist bekannt, äussert sich aber vergleichsweise mild durch Juckreiz an den Gliedmaßen (Armen)
und Schwäche an den unteren (Beinen).
Das Aujeszky-Virus wird also von belebten und unbelebten Vektoren verschleppt:
- kranke und latent infizierte Schweine
- betreuendes Personal (auch Tierarzt)
- kontaminiertes Futter, Wasser, Einstreu
- Luft (Tröpfcheninfektion)
Nach der aktiven oder passiven Aufnahme des Aujeszky-Erregers kommt es zum Befall des ZNS (zentralen Nervensystem) mit der Folge einer nicht eitrigen Enzephalomyelitis
(Hirnnervenentzündung). Zur Vermehrung gelangt das Virus ins lymphatische Gewebe, vor allem in den lymphatischen Rachenring.
Es folgt ein zentripetaler (zum Zentrum gehender) Virusaufstieg aus den Tonsillen
und der Mundschleimhaut über die sensorischen Fasern des 9. und 10. Gehirnnervs zu den Ganglien und Gliazellen des Hirnstammes. Durch die hier eintretende Virusvermehrung entstehen degenerative Nervenveränderungen.
Die Virusausscheidung kranker Tiere und die direkte Ansteckung (bei Hund und Katze) spielen bei der Verbreitung dieser Seuche keine Rolle. Andere, nicht wiederkauende Fleischfresser sind somit Endglieder der
Infektionskette. Das Virus kann aber in der Umwelt bei 25°C bis zu 40 Tage überleben. Eine Inaktivierung des Virus erfolgt durch Erhitzung über 55°C oder durch Desinfektionsmittel auf Chlor-, Ammonium-, oder
Formalinbasis, wenig resistent ist das Virus gegen Natronlauge; Alkohole und Phenole sind jedoch unwirksam.
Mit dem derzeitigen europaweiten Versuch Morbus Aujeszky beim Schwein auszurotten, sollte die
Krankheit in der EU verschwinden. Als Prophylaxe (und auch Bestandteil des Aujeszky-Ausrottungs-Programmes in Europa) ist der Kontakt zwischen Hausschweinen und Rindern (ggf. Schafen, Hunden) zu vermeiden. Besonders
schwierig ist dies z.B. in Griechenland, denn hier werden Hausschweine (aus klimatischen Gründen) in den Wäldern gehalten. So kommt es zu direktem Kontakt zwischen Hausschwein, Wildschwein, (Ratte, Hund, etc.).
Aber auch für Deutschland (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen) wird es schwierig das Aujeszky-Ausrottungs-Programm zu erfüllen
So beschweren sich die Niederländer mit Recht, dass in Deutschland eine an die
Niederlande-grenzende Wildschweinpopulation (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen) Aujeszkyvirus-tragend ist. Weil diese Population im Kontakt mit der niederländischen Wildschweinpopulation steht, gilt der
Aujezskyverdacht auch für die niederländische Wildschweinpopulation (Elbers et al., 2000).
Prophylaxe für reisebegleitende Hunde
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Ein reisebegleitender Hund sollte in nicht-Aujeszky-freien Regionen (z.B. Griechenland, Spanien, Portugal) keinesfalls mit rohem Schweinefleisch gefüttert werden (Achtung bei
allen Schlachtabfällen!). Ebenfalls ist der Kontakt zu Zuchttieren zu vermeiden (Urlaub auf dem Bauernhof !). Es gibt für Hunde und Katzen keine Schutzimpfung.
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Symptome
Zu Beginn der Virusinfektion zeigt sich bei Schweinen und Wiederkäuern Ruhelosigkeit (häufiges Hinlegen und Wiederaufstehen), Apathie und Mattigkeit. Auch
Anorexie (Appetitlosigkeit), Erbrechen, Tympanie (Aufblähung in Magen oder Darm), Tachypnoe (beschleunigte Atmung, 60-80 Atemzüge pro Minute) und Fieber (41°C) kommen vor. Später kommt es zu rasch einsetzenden
Schluckbeschwerden mit vermehrtem Speicheln durch die Lähmung von Pharynx (Schlundkopf) und Schlund (Bulbärparalyse), zu schwankendem Gang, Taumeln, und Ataxien ( Störungen der Bewegungskoordination), Nystagmus
(Augenzittern) und Muskelzuckungen (die typischerweise über den ganzen Körper laufen).
Im weiteren Verlauf kommt es zu starkem Juckreiz (durch Hyperästhesie), der an Ohren und Nase beginnt. Infolge von Beißen
und Kratzen treten bei bis zu 50 % der Tiere Automutilationen (Selbstverstümmelungen) auf.
Innerhalb von 24 bis max. 48 Stunden kommt es zu Bewußtseinstrübungen, fibrillären und klonischen (schüttelnden)
Krämpfen, Lähmungen und schließlich zum Tod. Auch plötzliche Todesfälle sind möglich ('morgens tot aufgefunden').
Bei Hunden treten zusätzlich (nicht aggressive) Tobsuchtanfälle oder Winseln und Jaulen auf
(als hätten sie starke Schmerzen). Im Unterschied zur Tollwut haben Hunde massiven Durst und sind nicht aggressiv. Beim Hund verläuft die Aujeszkysche Krankheit stets innerhalb von 1 bis 3 Tagen tödlich.
Diagnostik
Klinisch charakteristisch sind Parästhesien (krankhafte Empfindung, z.B. Kribbeln, Taubsein) und Hyperästhesien (Überempfindlichkeit, extreme Sensibilität auf
Berührungsreize) in Verbindung mit Tachypnoe (beschleunigter Atmung), Fieber und raschem tödlichen Verlauf nach Kontaktmöglichkeiten zum Schwein oder Fütterung von Schweinefleisch.
Labordiagnostisch kann man
das SHV1 in einer Vielzahl unterschiedlicher Zellkulturarten mit rasch ausgeprägtem cpE (Abkugelung, Riesenzellen, Lysis) anzüchten. Über diese Anzüchtung kann das Virus anschliessend im Elektronenmikroskop
typisiert werden.
Immunologisch lässt sich frühestens 4 Tage p.i. (nach Infektion) eine zellvermittelte Immunität nachweisen. Mittels ELISA lassen sich Antikörper etwa ab 1 Woche p.i. erfassen, deren
Antikörper-Titer bis zur 5. Woche ansteigt, und dann jahrelang erhalten bleiben kann.
Über eine natürliche Immunität nach einer überstandenen Infektion ist wenig bekannt. Es kann vermutet werden, dass
Schweine, die eine natürliche Infektion überstanden haben lebenslang vor einer erneuten Erkrankung geschützt sind.
Therapie
Bisher ist keine Möglichkeit bekannt, die
Aujeszkische Krankheit zu behandeln. Ein tödlicher Verlauf ist prognostiziert.
Impfungen (für Nutzvieh) sind vorhanden, dürfen aber nur in einigen Regionen angewendet werden.
Eine Prophylaxe ist auf
strikte Einhaltung hygienischer Maßnahmen beschränkt. Ebenfalls ist in Zuchtbetrieben der Kontakt zwischen Schweinen und Rindern (ggf. Ratten, Schafen, Hunden) zu vermeiden.
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